Wir halten Rennmäuse daher immer in Gruppen von drei bis sechs Tieren.
Schwierig wird es da allerdings, wenn mehrere kastrierte Männchen mit
Weibchen zusammenleben. Da die Weibchen häufig paarungsbereit sind und
dann auch für kastrierte Männchen sehr gut riechen, kann es unter den
Männchen der Gruppe zu ernsthaften Auseinandersetzungen bis hin zu
schweren Beißereien kommen. Auch ständige kleinere Rangeleien um die
Weibchen stören das Gruppengefüge und bedeuten Stress für die Tiere.
Wir haben dieses Problem durch zwei Rennmauskäfige gelöst: einen für
die Männchen und einen für die Weibchen.
Leider muss man auch bei dieser Haltung unter Umständen mit
Schwierigkeiten rechnen. Wir haben es über die Jahre mehrfach erlebt,
dass eine Gruppe von Mäusen, die schon lange friedlich zusammen in
einem ausreichend großen Käfig mit zahlreichen Versteckmöglichkeiten
lebt, dennoch plötzlich Streit bekommt. Flachen diese Streitereien
nicht ab, müssen die Tiere getrennt werden, um ernsthaften Verletzungen
und übermäßigem Stress (für Tiere und Halter) vorzubeugen. Meist
sind es zwei Tiere, die plötzlich aus heiterem Himmel nicht mehr
miteinander klar kommen. So hat man dann unter Umständen noch einen Käfig
mehr als ursprünglich geplant. Unsere Erfahrung zeigt, dass zusammen
lebende Weibchen eher zu Streit neigen und „zickig“ reagieren können
und Männchengruppen in der Regel sozial stabiler sind.
Allerdings sollte man auch nicht übereilt Gruppen trennen, nur weil
Rangeleien auftreten, die sich eventuell wieder legen. Die Gruppe sollte
aber gut beobachtet werden. Lassen die Streitereien nach einigen Tagen
nicht nach oder werden intensiver oder blutig, droht einem gemobbten
Tier eine ernstere Verletzung oder wird ein Tier ständig in der Ruhe
gestört oder vom Futter verdrängt, dann muss eingegriffen werden. Vor
der Trennung der Gruppe sollte dann aber beobachtet werden, welche Tiere
gut miteinander auskommen, damit diese dann zusammenbleiben und auch
weiterhin Sozialpartner haben, mit denen sie friedlich zusammenleben.
Vergesellschaftung
einzelner Rennmäuse
Eine spätere Vergesellschaftung von erwachsenen Rennmäusen gleichen
Geschlechts ist zwar schwierig, aber durchaus möglich. Hierbei gilt
allerdings, je jünger die Tiere, desto einfacher wird es. Generell
lassen sich ältere erwachsene Tiere besser mit jüngeren Tiere
vergesellschaften. Sie nehmen ein jugendliches Tier noch nicht so stark
als Konkurrenz war und verhalten sich ihm gegenüber friedlicher.
Erstaunlicherweise sind es bei den Rennmäusen die Männchen, die sich
leichter mit fremden Männchen vergesellschaften lassen als dies bei
Weibchen der Fall ist.
Wir haben schon einzelne Tiere in Gruppen „eingeschleust“ und auch
eine dauerhafte soziale Bindung erreicht, allerdings klappt das bei
weitem nicht immer. Wichtig ist, dass man diesen Versuch an einem
Wochenende vornimmt, an dem man über mindestens zwei Tage Zeit genug
hat, die Tiere zu beobachten und ggf. einzugreifen, falls es doch zu
Streitereien kommt. Die Tiere sollten dann in den ersten Tagen auch
nachts in Hörweite sein. Bei ernsten Streitereien muss man sofort
eingreifen können, um Verletzungen der Tiere vorzubeugen.
Zunächst ist es wichtig, den Käfig, in dem die neue Gruppe leben soll,
gut zu reinigen, um den „Stallgeruch“ der bestehenden Gruppe zu
mindern. Rennmäuse erkennen Familienmitglieder am Geruch – passt eine
Maus geruchlich nicht zum eigenen „Stallgeruch“, so wird sie
vertrieben.
Bei der Vergesellschaftung erwachsener Mäuse versucht man, die Tiere über
ein Trenngitter langsam aneinander zu gewöhnen.
Die Tiere können sich durch ein Gitter im Käfig riechen und
gegenseitig beschnuppern, ohne sich bei Streitereien verletzen zu können.
Idealerweise gewöhnen sich die Tiere, die ja auch einsam sind, an den
Stallgeruch des anderen Tieres. Ein gemeinsamer Auslauf auf neutraler Fläche
mit Versteck- und Fluchtmöglichkeiten hilft beim kennen lernen. Auch
sollten die Tiere vor der Vergesellschaftung einzeln in die jeweils
andere Hälfte gesetzt werden, um die Möglichkeit zu haben, sich an den
Geruch der anderen Maus zu gewöhnen und diesen Stallgeruch anzunehmen.
Das ganze kann bis zu drei Wochen dauern. Optimal ist es, wenn die Tiere
sich schon zum Schlafen eng an das Gitter zu der anderen Maus legen –
dann kann eigentlich kaum noch etwas schief gehen. Dennoch sollten die Mäuse
nach einem gemeinsamen Auslauf in den nun nicht mehr getrennten Käfig
gesetzt werden. So hat niemand einen „Heimvorteil“ und meint, das
Revier verteidigen zu müssen.
Leider gibt es auch ausgesprochen „sture“ Kameraden unter den Rennis,
die sich so nicht aneinander gewöhnen lassen und den neuen Partner
hartnäckig verbeißen.
Wenn
irgend möglich, gehen wir der Sache mit der Vergesellschaftung
gleichgeschlechtlicher erwachsener Rennis aus dem Weg und gründen auf
„natürlichem Weg“ eine neue Gruppe: Das einzeln gebliebene Männchen
zieht bei den Mädels oder das einzeln gebliebene Weibchen bei den Jungs
ein und getrennt wird nach dem ersten Wurf. Entweder zieht dann der
Vater mit den Söhnen oder die Mutter mit den Töchtern aus und alles
geht recht stressfrei. Allerdings besteht die Gefahr, dass sich bei der
Trennung schon ein zweiter Wurf ankündigt: bei Rennmausweibchen, die
gut im Futter stehen und gesund sind, sind zwei Würfe in kurzer Folge
auch in freier Wildbahn keine Seltenheit... Die männlichen Tiere aus
dem zweiten Wurf können nach der Trennung nicht mehr zu den Männchen
gesetzt werden und so ist vielleicht noch eine Gruppe entstanden. Diese
Methode eignet sich also nur für Rennmausfreunde, die in der Lage und
willens sind, zur Not noch ein Rennmauszuhause einzurichten...