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Wie viele Mäuse soll ich halten?

 

Vor der Anschaffung...

 

 

... sollte man sich erst einmal über die kleinen Nager informieren und dann in Ruhe überlegen, ob sie wirklich die richtigen Haustiere sind. Leider sitzen in den Tierheimen inzwischen auch viele unüberlegt angeschaffte Rennmäuse, die dann abgeschoben wurden, weil sie wohl doch nicht der richtige Spielkamerad für die Kinder waren, mehr Arbeit als erwartet machten oder oder oder... Rennmäuse werden im Durchschnitt 3-6 Jahre alt und man sollte sich schon bei der Anschaffung überlegen, ob man bereit ist, für diese Zeit die Verantwortung für die Tiere zu übernehmen und sie gut zu versorgen. Dazu gehört auch, dass man sich vor der Anschaffung über ihre Bedürfnisse informiert.

 

 

Wie viele Rennmäuse?

 

Wildlebende Wüstenrennmäuse leben im Familienverband, in der Regel ein Elternpaar mit zwei Generationen Nachkommen. Wird es im Gangsystem zu eng, wandern ältere Jungtiere aus und siedeln sich in der Nähe in einem eigenen Gangsystem an. Für die Käfighaltung heißt dies, dass man Rennmäuse niemals alleine halten kann: die Tiere brauchen die Nähe zu Artgenossen und leben im engen sozialen Verband. Da die Rennmäuse in Gefangenschaft nicht auswandern können, muss der Käfig groß genug für die Gruppe sein, da es sonst zu blutigen Auseinandersetzungen kommen kann (s. unten „Haltung“).

 

 

Freundliche Begrüßung auf Rennmausart

 

Die überaus große Vermehrungsfreude sollte man als angehender Rennmausbesitzer nicht unterschätzen und die Gruppe dementsprechend zusammenstellen.

Optimal und friedlich zusammen lebt natürlich am besten ein Pärchen. Um der Vermehrung vorzubeugen, sollte dann aber das Männchen kastriert werden. Eine Kastration bei einem Mäuserich kostet zwischen € 30 und € 60 und ist somit nicht ganz billig. Zudem gibt es nicht gerade viele Tierärzte, die bei einem so kleinen Tier wie einer Rennmaus eine Kastration durchführen. Problematisch wird die Haltung von nur zwei Rennmäusen dann, wenn ein Partner stirbt: das alleingebliebene Tier braucht einen neuen Partner und der muss dann ggf. auch wieder kastriert werden...

 

 

Kleine Rennmäuse sind niedlich - aber der Kindersegen sollte geregelt sein!

 

 

Wir halten Rennmäuse daher immer in Gruppen von drei bis sechs Tieren. Schwierig wird es da allerdings, wenn mehrere kastrierte Männchen mit Weibchen zusammenleben. Da die Weibchen häufig paarungsbereit sind und dann auch für kastrierte Männchen sehr gut riechen, kann es unter den Männchen der Gruppe zu ernsthaften Auseinandersetzungen bis hin zu schweren Beißereien kommen. Auch ständige kleinere Rangeleien um die Weibchen stören das Gruppengefüge und bedeuten Stress für die Tiere. Wir haben dieses Problem durch zwei Rennmauskäfige gelöst: einen für die Männchen und einen für die Weibchen.

 

Leider muss man auch bei dieser Haltung unter Umständen mit Schwierigkeiten rechnen. Wir haben es über die Jahre mehrfach erlebt, dass eine Gruppe von Mäusen, die schon lange friedlich zusammen in einem ausreichend großen Käfig mit zahlreichen Versteckmöglichkeiten lebt, dennoch plötzlich Streit bekommt. Flachen diese Streitereien nicht ab, müssen die Tiere getrennt werden, um ernsthaften Verletzungen und übermäßigem Stress (für Tiere und Halter) vorzubeugen. Meist sind es zwei Tiere, die plötzlich aus heiterem Himmel nicht mehr miteinander klar kommen. So hat man dann unter Umständen noch einen Käfig mehr als ursprünglich geplant. Unsere Erfahrung zeigt, dass zusammen lebende Weibchen eher zu Streit neigen und „zickig“ reagieren können und Männchengruppen in der Regel sozial stabiler sind.

 

Allerdings sollte man auch nicht übereilt Gruppen trennen, nur weil Rangeleien auftreten, die sich eventuell wieder legen. Die Gruppe sollte aber gut beobachtet werden. Lassen die Streitereien nach einigen Tagen nicht nach oder werden intensiver oder blutig, droht einem gemobbten Tier eine ernstere Verletzung oder wird ein Tier ständig in der Ruhe gestört oder vom Futter verdrängt, dann muss eingegriffen werden. Vor der Trennung der Gruppe sollte dann aber beobachtet werden, welche Tiere gut miteinander auskommen, damit diese dann zusammenbleiben und auch weiterhin Sozialpartner haben, mit denen sie friedlich zusammenleben.

 

 

 

Vergesellschaftung einzelner Rennmäuse

 

Eine spätere Vergesellschaftung von erwachsenen Rennmäusen gleichen Geschlechts ist zwar schwierig, aber durchaus möglich. Hierbei gilt allerdings, je jünger die Tiere, desto einfacher wird es. Generell lassen sich ältere erwachsene Tiere besser mit jüngeren Tiere vergesellschaften. Sie nehmen ein jugendliches Tier noch nicht so stark als Konkurrenz war und verhalten sich ihm gegenüber friedlicher. Erstaunlicherweise sind es bei den Rennmäusen die Männchen, die sich leichter mit fremden Männchen vergesellschaften lassen als dies bei Weibchen der Fall ist.

Wir haben schon einzelne Tiere in Gruppen „eingeschleust“ und auch eine dauerhafte soziale Bindung erreicht, allerdings klappt das bei weitem nicht immer. Wichtig ist, dass man diesen Versuch an einem Wochenende vornimmt, an dem man über mindestens zwei Tage Zeit genug hat, die Tiere zu beobachten und ggf. einzugreifen, falls es doch zu Streitereien kommt. Die Tiere sollten dann in den ersten Tagen auch nachts in Hörweite sein. Bei ernsten Streitereien muss man sofort eingreifen können, um Verletzungen der Tiere vorzubeugen.

Zunächst ist es wichtig, den Käfig, in dem die neue Gruppe leben soll, gut zu reinigen, um den „Stallgeruch“ der bestehenden Gruppe zu mindern. Rennmäuse erkennen Familienmitglieder am Geruch – passt eine Maus geruchlich nicht zum eigenen „Stallgeruch“, so wird sie vertrieben.

 

Bei der Vergesellschaftung erwachsener Mäuse versucht man, die Tiere über ein Trenngitter langsam aneinander zu gewöhnen. Die Tiere können sich durch ein Gitter im Käfig riechen und gegenseitig beschnuppern, ohne sich bei Streitereien verletzen zu können. Idealerweise gewöhnen sich die Tiere, die ja auch einsam sind, an den Stallgeruch des anderen Tieres. Ein gemeinsamer Auslauf auf neutraler Fläche mit Versteck- und Fluchtmöglichkeiten hilft beim kennen lernen. Auch sollten die Tiere vor der Vergesellschaftung einzeln in die jeweils andere Hälfte gesetzt werden, um die Möglichkeit zu haben, sich an den Geruch der anderen Maus zu gewöhnen und diesen Stallgeruch anzunehmen. Das ganze kann bis zu drei Wochen dauern. Optimal ist es, wenn die Tiere sich schon zum Schlafen eng an das Gitter zu der anderen Maus legen – dann kann eigentlich kaum noch etwas schief gehen. Dennoch sollten die Mäuse nach einem gemeinsamen Auslauf in den nun nicht mehr getrennten Käfig gesetzt werden. So hat niemand einen „Heimvorteil“ und meint, das Revier verteidigen zu müssen.

 

Leider gibt es auch ausgesprochen „sture“ Kameraden unter den Rennis, die sich so nicht aneinander gewöhnen lassen und den neuen Partner hartnäckig verbeißen. 

 

Wenn irgend möglich, gehen wir der Sache mit der Vergesellschaftung gleichgeschlechtlicher erwachsener Rennis aus dem Weg und gründen auf „natürlichem Weg“ eine neue Gruppe: Das einzeln gebliebene Männchen zieht bei den Mädels oder das einzeln gebliebene Weibchen bei den Jungs ein und getrennt wird nach dem ersten Wurf. Entweder zieht dann der Vater mit den Söhnen oder die Mutter mit den Töchtern aus und alles geht recht stressfrei. Allerdings besteht die Gefahr, dass sich bei der Trennung schon ein zweiter Wurf ankündigt: bei Rennmausweibchen, die gut im Futter stehen und gesund sind, sind zwei Würfe in kurzer Folge auch in freier Wildbahn keine Seltenheit... Die männlichen Tiere aus dem zweiten Wurf können nach der Trennung nicht mehr zu den Männchen gesetzt werden und so ist vielleicht noch eine Gruppe entstanden. Diese Methode eignet sich also nur für Rennmausfreunde, die in der Lage und willens sind, zur Not noch ein Rennmauszuhause einzurichten...

 

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