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Haltung

Unterbringung und Futter

 

Vor der Anschaffung...

 

 

... sollte man sich erst einmal über die kleinen Nager informieren und dann in Ruhe überlegen, ob sie wirklich die richtigen Haustiere sind. Leider sitzen in den Tierheimen inzwischen auch viele unüberlegt angeschaffte Rennmäuse, die dann abgeschoben wurden, weil sie wohl doch nicht der richtige Spielkamerad für die Kinder waren, mehr Arbeit als erwartet machten oder oder oder... Rennmäuse werden im Durchschnitt 3-6 Jahre alt und man sollte sich schon bei der Anschaffung überlegen, ob man bereit ist, für diese Zeit die Verantwortung für die Tiere zu übernehmen und sie gut zu versorgen. Dazu gehört auch, dass man sich vor der Anschaffung über ihre Bedürfnisse informiert.

 

 

Unterbringung

 

Mongolische Wüstenrennmäuse leben in ihrer Heimat in selbstgegrabenen Erdhöhlen, die durch ein weitverzweigtes Gangsystem miteinander verbunden sind. In der Käfighaltung sollte man den Tieren deshalb ebenfalls die Möglichkeit geben, ein Gangsystem anzulegen. Rennmäuse buddeln gerne und ausdauernd. Haben sie genügend Einstreu und Platz zur Verfügung, sind sie eifrige Baumeister und beschäftigen sich ausgiebig mit der Anlage eines Gangsystems.

 

Den Rennmausbesitzer stellt diese Buddelleidenschaft vor das Problem, dass die Tiere aus herkömmlichen Gitterkäfigen ständig die Streu in großen Mengen heraus scharren und die Gegend um den Käfig auch schon 5 Minuten nach dem letzten Staubsaugen wieder so aussieht wie vorher...

 

 

Glasbecken als Käfig

 

Das ist einer der Gründe, warum wir unsere Rennmäuse in großen Glasbecken untergebracht haben. Da man Rennmäuse am besten in Gruppen hält (s. „Anzahl“), darf das Becken nicht zu klein sein. Bei uns bewohnen Gruppen von 3-6 Tieren jeweils ein Becken von 100x40x40 cm. Auch bei der Haltung von nur zwei Tieren würde ich kein kleineres Becken wählen, da die Tiere einen ausgeprägten Bewegungsdrang haben und für ihre „Erdarbeiten“ entsprechend Platz brauchen. Zudem ist in kleineren Becken oft keine ausreichende Belüftung gewährleistet. Diese Mindestmaße gelten natürlich auch für Gitterkäfige, unabhängig davon, wie viele Zwischenböden eingezogen sind. Nach oben ist der Käfiggröße selbstverständlich keine Grenze gesetzt und es gilt: je größer, desto besser...

Unsere Rennis bei „Erdarbeiten“ im Becken  

 

Rennmausterrarium als Raumteiler

 

Wichtig ist ein gut schließender Deckel aus Drahtgeflecht, der zwar eine gute Belüftung bietet, den Ausbruchsversuchen der Mäuse jedoch stand hält. Rennmäuse sind sehr kreativ, wenn es darum geht, dass Rennmaus dahin kommt, wo Rennmaus gerne hin möchte...

 

Die Glasbecken haben noch einen weiteren entscheidenden Vorteil gegenüber herkömmlichen Käfigen: die Einstreu kann so 20-25 cm hoch sein und bietet den Mäusen gute Möglichkeiten zum Gangbau und zum Graben. Außerdem wird der Blick auf die Tiere nicht durch Gitterstäbe behindert und die Mäuse machen keinen Krach durch das Nagen an den Gitterstäben.

Allerdings sind die Glasbecken in der Anschaffung etwas teuerer als Käfige und es wird schwieriger (aber bei weitem nicht unmöglich), mehrere Becken durch Gänge zu verbinden.

 

 

Einstreu

 

Die Einstreu sollte so beschaffen sein, dass es den Mäusen gelingt, Gänge anzulegen. Des weiteren brauchen die Tiere Sand, um ihr Fell optimal zu pflegen. Leider lässt sich im Sand zwar prima buddeln, aber ein vernünftiges Gangsystem bekommt hier auch die fleißigste Rennmaus nicht hin. Wir bieten unseren Rennmäusen daher eine Einstreu, die aus einer ca. 2 cm dicken Sandschicht unten besteht. Darauf kommen normale Sägespäne etwa 20-25 cm hoch und eine kleine Lage Stroh. Das Stroh wird von den Tieren gerne kleingenagt und untergebuddelt. Das verschafft den Tieren zum einen eine gute Beschäftigungsmöglichkeit, zum anderen entsteht eine tragfähige Schicht, in der Gänge und Höhlen ordentlichen Ausmaßes möglich sind. Unsere Rennmäuse sind den ganzen Tag damit beschäftigt, ihre Gänge um- und auszubauen, zu buddeln und Nistmaterial in verschiedene Höhlen zu schleppen. Diese geschäftige Betriebsamkeit lässt keine Langeweile aufkommen – weder bei den Mäusen, noch bei den Zuschauern J!

 

 

Käfigeinrichtung

 

Ist der Käfig so gestaltet, dass die Rennmäuse Gänge und Höhlen graben können, dann hat man eigentlich schon glückliche Mäuse! Rennis buddeln nun einmal den lieben langen Tag und brauchen nicht viel mehr. Für die zweite große Leidenschaft der Rennmäuse, das Nagen, sollte allerdings genügend Material vorhanden sein: wir haben immer ein paar dickere, verzweigte Äste im Becken, die sich hervorragend als Ausguck eignen und den Gängen zusätzliche Stabilität verleihen aber selten angenagt werden. Dazu bekommen die Rennis immer noch einige frische dünnere Äste zum Nagen.

Rennmäuse lieben Höhlen und Gänge jedweder Art und falls der Käfig nicht die Möglichkeit bietet, selbst ein Gangsystem anzulegen, sollten die Tiere unbedingt eine Röhre – am besten verzweigt – angeboten bekommen. Im Baumarkt gibt es da in der Abteilung für Abflussrohre ganz gute Lösungen J (bitte darauf achten, dass das Material so hart ist, dass es den Zähnen standhält und die Tiere keine Plastikteile abnagen und verschlucken können!).

In wieweit es Rennmäuse gibt, die Laufräder mögen, kann ich nicht sagen aber all unsere Mäuse, die in mehr als 15 Jahren bei uns gelebt haben, haben sich standhaft geweigert, in so einem Ding ein paar Runden zu drehen und so haben wir es aufgegeben.  

 

 

Die Renner legen ihre Gänge häufig dicht am Glas an und können so

sehr gut in ihren Bauten beobachtet werden!

 

 

Wohin mit dem Käfig?

 

Die Aktivitätszeiten wildlebender Rennmäuse variieren je nach Jahreszeit. Während sie in den kalten Wintermonaten hauptsächlich in der warmen Mittagssonne auf Nahrungssuche gehen, verlegen sie in den heißen Sommermonaten ihre Aktivitäten auf die kühleren Morgen-, Abend- und Nachtzeiten. In der gemäßigten Übergangszeit hingegen zeigt sich ein unregelmäßiger Schlaf-/Wachrhythmus. Rennmäuse in Gefangenschaft haben keinen festen Tag-/Nachtrhythmus sondern Wach- und Schlafzeiten, die in einem zwei-vierstündigen Wechsel auftreten.

 

Für die Aufstellung des Käfigs bedeutet das, dass er nicht in als Schlafraum genutzten Zimmern stehen sollte: die Rennis sind die ganze Nacht über immer mal wieder wach und aktiv und verursachen dann natürlich auch Geräusche. Der unregelmäßige Schlaf-/Wachrhythmus hat aber auch den Vorteil, dass tagsüber eigentlich auch immer mal wieder was los ist im Rennmauskäfig.

Gesunde Rennmäuse sind, wenn sie gerade wach sind, immer in Bewegung und mit irgendwelchen „Erdarbeiten“, der Futteraufnahme oder dem Nest(um)bau beschäftigt, so dass es eigentlich immer etwas zu sehen gibt. Sinnvoller weise sollte der Käfig dann natürlich einen Platz haben, von dem aus man gute Sicht auf die Mäuse hat und sie beobachten kann. Rennmäuse beschäftigen sich zwar prima selbst, vor allem wenn sie in einer Gruppe von mehreren Tieren leben, aber sie lieben es auch sehr, wenn man sich mit ihnen beschäftigt.

Ich habe mehrere Rennmauskäfige in meinem Arbeitszimmer stehen und ertappe mich nicht selten dabei, dass ich die Tiere bei ihrem Treiben beobachte, anstatt zu arbeiten J - ich persönlich finde das Rennmausprogramm spannender und lustiger als so manches Fernsehprogramm und habe die Tiere gerne in meiner Nähe.

 

Unbedingt sollte man darauf achten, dass der Käfig einen vor Zugluft geschützten Platz hat, da die Rennmäuse sonst leicht eine Erkältung bekommen können. Außerdem mögen die Tiere einen hellen Platz, der jedoch nicht direkt von der Sonne angestrahlt werden sollte, um Überhitzung vorzubeugen (vor allem in einem Glasbecken wird es sehr schnell sehr warm!!!).

 

 

Futter und Wasser

 

Wildlebende Rennmäuse haben einen recht abwechslungsreichen Speiseplan: neben verschiedenen Gräsern und Kräutern sammeln sie auch Samen und fressen Beeren und Früchte. Auch kleinere Insekten können durchaus zur Mahlzeit werden. In der Regel trinken die Rennmäuse in der freien Wildbahn nicht, sondern nehmen Wasser über die Pflanzen und Früchte und den Morgentau auf.

 

Wir füttern unseren Rennmäusen eine fertige Körnermischung für Nager als Hauptfutter. Allerdings sind viele im Handel angebotene Körnermischungen viel zu fetthaltig und zu kalorienreich, so dass die Mäuse schnell verfetten. Man sollte daher darauf achten, dass die Mischungen keine Nüsse enthalten. Auch die vielen bunt eingefärbten Bestandteile des Futters sind meist sehr kalorienreich und enthalten zusätzlich auch noch jede Menge Farbstoffe. Ein gutes Körnerfutter sollte vor allem eines enthalten: Körner.  

 

Auch Hirserispen erfreuen sich großer Beliebtheit!

 

Zusätzlich gibt es für unsere Mäuse alles, was an Gemüse und Obst ohnehin im Haus ist und täglich ein Stück Gurke. Alles Frischfutter wird gerne gefressen, auch wenn sich die Mäuse manchmal lange überlegen, ob es genießbar ist: so umkreisten unsere Rennis z.B. ein Stück Mandarine einen halben Tag lang misstrauisch, bevor sich eine besonders mutige Maus daran wagte. Mittlerweile sind unsere Rennis allesamt begeisterte Mandarinenfresser! Bei Obst oder Gemüse, das zum ersten Mal gefüttert wird, geben wir zunächst immer nur sehr kleine Mengen, um zu sehen, wie gut die Tiere das Futter vertragen. Wird es gut angenommen und kommt es nicht zu Durchfall, kann die Menge langsam gesteigert werden. Bei stark säurehaltigem Obst ist es sinnvoll, nur sehr kleine Mengen zu geben, um den Magen der Rennis zu schonen – meist sind sie auch selbst so schlau und fressen nicht so viel. Nicht gefressenes Frischfutter muss natürlich aus dem Käfig entfernt werden, bevor es schlecht wird. Unsere Rennis lehnen auch Joghurt (ungesüßt!), Quark (mager) und gekochtes Ei als gelegentliche Leckerei nicht ab und erhalten so zusätzlich Eiweiß.

 

Über die Gurke versorgen sich die Rennmäuse mit Flüssigkeit und brauchen, wenn täglich frische Gurke und anderes Grünzeug mit viel Flüssigkeit zur Verfügung steht, kein Wasser angeboten zu bekommen. In der Natur halten es die Rennis auch so und nehmen Flüssigkeit nur über das Grünfutter auf. Als Steppenbewohner ist ihr Körper darauf optimal eingestellt. Unsere Rennmäuse nutzen eine Tränke nie.

Fehlt es an täglich frischem Grünfutter, ist eine Tränke unerlässlich. Auch bei säugenden Rennmausmüttern kann eine Tränke sinnvoll sein und sollte angeboten werden.

 

Gurke deckt den Flüssigkeitsbedarf unserer Mäuse und darf nie fehlen...!

 

Bei ausreichendem Grünfutter wird die Tränke kaum genutzt...

 

In der Natur fressen Rennmäuse auch gerne Insekten oder Insektenlarven – vor allem Käfer. Den Speiseplan der eigenen Rennis kann man gut durch Mehlwürmer ab und an erweitern, wenn die Mäuse das mögen. Von unseren Tieren fressen aber bei weitem nicht alle Mehlwürmer. Mehlwürmer gibt es im Zoofachhandel auch in kleinen Mengen zu kaufen, so dass das einfach auszuprobieren ist. Da Mehlwürmer sehr flink sind und sich im Becken prima verstecken (und dort versterben) können, füttern wir solche Leckereien nur außerhalb des Käfigs...

 

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