(der
folgende ursprünglich im Gesunde-Hunde-Forum erschienene Text von Dr.
Schulze in Kamen wurde mit seiner ausdrücklichen Genehmigung hier
eingestellt, der Link führt direkt zur website von Dr. Schulze.)
1.
Unterscheidung GA / GI
Der
Begriff Golddrahtimplantation bzw. Goldimplantation stammt von dem
amerikanischen TA Dr.Terry Durkes, der in einem Standardwerk der Veterinär-Akupunktur
(A. Schön (Hrsg.), "Veterinary Acupuncture") ein Kapitel mit
dem Titel "Goldbead Implants" schrieb. Auch Terry Durkes
fasste diese Methode als besondere Form der Dauerakupunktur auf. Im
Laufe der Jahre haben jedoch gerade in Deutschland einige Kollegen die
Gelegenheit wahrgenommen, auf diesen Zug aufzuspringen, ohne eine
entsprechende Akupunktur-Ausbildung, geschweige denn -Erfahrung, zu
haben. Diese Kollegen platzieren das Gold in die Nähe z.B. des Hüftgelenkes,
ohne auf die Akupunkturpunkte zu achten. Ich selbst habe mittlerweile
ca. 10 Hunde nachbehandelt, die durch eine derartig durchgeführte
Goldimplantation nicht beschwerdefrei waren. Das Röntgenbild zeigte,
dass die Akupunktur-Punkte nicht getroffen wurden. Alle Hunde zeigten
nach Behandlung über die Akupunktur-Punkte eine deutliche Besserung. Um
mich von solchen Kollegen zu unterscheiden, habe ich vor einigen Jahren
den Begriff "Goldakupunktur" eingeführt. Überspitzt
formuliert, sagt der Begriff "Goldimplantation" lediglich
etwas über die Technik aus; der Begriff "Goldakupunktur"
impliziert auch einen medizinischen Hintergrund.
2.
GA und künstliche Hüfte
Ich
selber habe zwei Hunde behandelt, von denen ich weiß, dass die GA
leider nicht gewirkt hat und die danach eine TEP bekommen haben. Beide
Hunde hat Prof. Matis in München erfolgreich operiert. Zu der Begründung
des Kollegen, kann ich nur sagen, dass ich das nicht nachvollziehen
kann: wieso soll die Infektionsgefahr größer sein? Infektionen
entstehen durch bakterielle Kontamination. Die Behauptung, dass es zu
Spannungen zwischen dem Gold und der Prothese kommen kann, entspringt
wohl ebenfalls der Phantasie des Kollegen, der wohl einfach nicht weiß,
was es mit der GA auf sich hat. Er hat für die Zahnmedizin völlig
recht, aber dort wird auch kein 24 karätiges Gold benutzt, sondern
nicht ganz so reines. Der erhöhte Kupferanteil im Zahngold sorgt für
alle möglichen Reaktionen. Wir benutzen Feingold, das heißt 99,99%
iges Gold, was für die Zahnmedizin wohl auch viel zu weich wäre. Die
Behauptung, dass der Körper das Gold als Fremdkörper erkennt, kann
ebenfalls nicht unwidersprochen bleiben: auch dies ist nur bei
Goldlegierungen der Fall, nicht jedoch bei reinem Gold. Ich biete meinen
Kunden an, auf meine Kosten nach frühestens einem Jahr die behandelten
Gelenke per Röntgenaufnahme zu kontrollieren, weil mich erstens
interessiert, was an den Gelenken geschieht und zweitens, was mit dem
Gold passiert. Mittlerweile habe ich ca. 150 Hunde bis zu 6 Jahre nach
der GA kontrolliert und kann folgendes feststellen: bei nur 5 Hunden
haben sich bisher die Arthrosen verschlimmert, (1-2mm Knochenzubildung),
bei allen anderen haben sich die Gelenke nicht weiter
verschlechtert(!!). Mit diesen Kontrollaufnahmen habe ich weit mehr als
10.000 Goldstückchen kontrolliert. Bisher musste ich in keinem einzigen
Fall eine Wanderung des Goldes feststellen. Natürlich wäre diese
Wanderung auch keine aktive Wanderung des Goldes, sondern eine
Abstossungsreaktion des Körpers, etwa, indem es zu Wassereinlagerungen
an dem Gold kommt, was zu einer vermehrten Anlagerung von Bindegewebs-,
Entzündungs- oder Fresszellen führen kann. All dies konnte nicht
beobachtet werden, so dass wir eher den Hinweis darauf haben, dass der Körper
das Gold gerade nicht als Fremdkörper erkennt und es genau deshalb über
sehr lange Zeit (mein eigener Beobachtungszeitraum liegt bei 7 Jahren)
wirken kann. Die zahnmedizinischen Kieferimplantate bestehen ebenfalls
nicht aus 24 karätigem Gold, so dass die schlechten Ergebnisse nicht
verwundern.
3.
GA und Goldinjektionen
Die
GA hat mit den Goldinjektionen bei rheumatischen Beschwerden rein gar
nichts zu tun: bei den Injektionen werden Goldsalze - also flüssige
Goldverbindungen - benutzt, hier gibt es in der Tat sehr häufig unerwünschte
Nebenwirkungen.
4.
Entfernung der Golddrähte
Ich
habe oben schon versucht auszuführen, dass der Körper an den Goldstückchen
nicht anders auf / mit Entzündungen reagiert, wie an anderen Stellen
auch. Wenn die GA nach meiner Methode durchgeführt wurde, befinden sich
jeweils 3 Goldstückchen an jeweils 3 Punkten (=9 Stückchen insgesamt)
in der Nähe des Hüftgelenkes. Obwohl die Fläche also sehr begrenzt
ist, wäre ist mit einem nicht zu rechtfertigenden Aufwand verbunden,
dieses Gold zu entfernen, zumal dies - wie schon ausgeführt - nicht
notwendig ist.
5.
Warum wirkt die GA?
Um
es gleich vorweg zu sagen, es kann niemand bisher genau die Wirkweise
erklären. Ich habe in diversen wissenschaftlichen Foren und in meinen
Veröffentlichungen folgende Theorie vertreten und um intensive
Diskussion gebeten, aber ich erhalte bis heute keine anderen Vorschläge
oder Gedanken.
1.)
Das Gold wirkt, weil es eine Dauerakupunktur ist. Hier wirken
verschiedene, narurwissenschaftlich bewiesene Mechanismen zusammen: von
der Stimulierung bestimmter Akupunktur-Punkte ist mittlerweile bekannt,
dass sie eine Endorphin-Produktion hervorrufen und dieses für eine
schmerzstillende oder doch schmerzlindernde Wirkung sorgt.
2.)
Der sog. Gate-Control-Theorie von Melzack und Wall liegt die Tatsache
zugrunde, dass es bei der Akupunktur zu einer Hemmung der Schmerzleitung
auf Rückenmarksebene kommt, und
3.)
können wir über die Sympathikus-Stimulation per Akupunktur für eine
bessere periphere Durchblutung sorgen.
6.
Warum muss es Gold sein?
Nach
dem bisherigen Wissen muss es nicht Gold sein, wir könnten auch Platin
nehmen, aber dann wäre die Behandlung mindestens 5x so teuer. Wichtig
ist, das wir ein Material benutzen, welchen in der elektrischen Reihe
der Elemente möglichst weit im positiven Bereich liegt, was bei Titan
nicht der Fall ist. Terry Durkes schreibt in seinem Aufsatz, dass das
Gold immer dann wirkt, wenn wir es mit folgendem zu tun haben: "Conditions
that respond to gold bead implants may be chronic, have excessive
negative charge, and have localized alkalosis". Selbstverständlich
versucht jeder Körper gesund zu sein, und lagert - um die negative
Spannung zu minimieren - positive Ionen in dem betroffenen Gebiet an.
Dies sind Natrium- und Wasserstoff-Ionen, aber vor allem auch zweifach
positiv geladenes Calcium. Aus diesem Grunde werden auch Arthrosen im
Laufe des Lebens immer größer. Weil nun das - metallische - Gold in
der elektrischen Reihe der Elemente sehr weit im positiven Bereich liegt
(gegen Wasserstoff gemessen), hat der Körper nach der Platzierung des
Goldes quasi keine Veranlassung mehr, andere positive Ionen anzulagern.
Ich denke, dass sich mit meinen bisherigen Röntgenkontrollen diese
Theorie untermauern kann.
7.
Bis zu welchem Schweregrad kann man die GA anwenden?
Ich
habe mittlerweile über 2200 Hunde behandelt und kann mittlerweile
belegen, dass das Ausmaß der Veränderungen nichts über die Wirkung
des Goldes aussagt. Vor 5 Jahren noch habe ich es abgelehnt, Hunde zu
behandeln, bei denen das Hüftgelenk kurz vor der Luxation stand bzw.
schon ausgerenkt war, weil ich folgendes befürchtete: ist ein solcher
Hund erst einmal schmerzfrei, wird er sich heftiger bewegen und die
Gefahr einer kompletten Luxation war mir einfach zu groß. Als dann
jedoch ein Besitzer einer sehr liebenswerten, einjährigen
Bordeaux-Dogge mich aufforderte, seinen Hund dann einzuschläfern, habe
ich es nicht übers Herz gebracht und mir gesagt: was riskiere ich mit
der GA, wenn die Hüften ausrenken, kann man immer noch einschläfern.
Dieser Hund ist mittlerweile 5 Jahre älter, immer noch mit nur Spuren
von Arthrosen und von einer unbändigen Lebenslust. Mittlerweile habe
ich viele solcher Hunde behandelt, und bei keinem ist die Hüfte
luxiert, ganz im Gegenteil, weil die Hunde sich schmerzfrei bewegen,
bewegen sie sich öfter und bilden eine entsprechende Kruppenmuskulatur
aus, die ein zusätzlicher Stabilitätsfaktor ist.
8.
OP oder GA?
Diese
Frage sollte nicht grundsätzlich beantwortet werden, sondern muss am
konkreten Hund diskutiert werden. Allerdings war es nach meiner
bisherigen Erfahrung noch niemals notwendig zuvor eine Hüftoperation
durchzuführen.
Anders
beim Ellenbogen: wenn wir bei einem relativ jungen Hund z.B. einen
"isolierten proc. anconaeus" oder einen "frakturierten
proc. coronoideus" diagnostizieren müssen, kann es durch aus
ratsam sein, zunächst - im vollen Einklang mit der
"Schulmedizin" - zu operieren. Allerdings kombinieren wir bei
uns diese OPs ( und Ops des Kreuzbandes am Knie) in einer Sitzung mit
der GA, um die üblichen Spätfolgen solcher OPs, nämlich Arthrosen
nach ca. 2 Jahren, zu minimieren.
9.
Erfolgsquoten
Ich
führe seit dem ersten Hund eine Statistik über alles GAs, die
ichdurchgeführt habe und bitte alle Patientenbesitzer, mir spätestens
nach vier Wochen einen kurzen Zustandsbericht zu geben. Gleichzeitig
bitte ich die überweisenden Tierärzte um ihre Einschätzung. Ich
selber nehme keine Einstufung vor. Folgende Stufen habe ich gewählt:
"Beschwerdefrei"
- dieser Hund ist von einem gleichaltrigen gesunden Hund nicht zu
unterscheiden,
"Wesentlich
besser" - dieser Hund zeigt keinerlei Beschwerden, lediglich
bei übermäßiger Belastung kommt es zu leichten Anzeichen von Schmerz
oder Bewegungseinschränkung, welche jedoch ohne Behandlung wieder
verschwinden,
"Leicht
besser" - dies ist ein Hund, der deutlich weniger Schmerzen
oder Bewegungseinschränkung zeigt, jedoch mit zusätzlichen
Schmerzmitteln einen besseren Zustand erreicht.
"unverändert"
sind solche Hunde, bei denen die GA keinerlei Wirkung zeigte.
Erfolg
der GA bedeutet für mich, dass wenigstens die Stufe
"beschwerdefrei" oder "wesentlich besser" erreicht
werden muss. Dies vorangestellt kann ich folgende Zahlen belegen:
Hüftgelenk:
96%
Kniegelenk:
92%
Ellenbogen:
94%
Schulter:
90%
Sprunggelenk:
90%
Zehen/Karpalgelenk:
72%
Wirbelsäule
(Spondylose und Spondylarthrose): 90%
Auch
für mich sind diese Zahlen immer noch fast unglaublich.
10.
Studien
Ich
weiß von zwei sog. Doppelblindstudien:
die
erste stammt aus den USA, aber ich habe sie bisher nirgendwo finden und
lesen können. Hier hat jemand an den Hunden den Druck gemessen, den sie
vor und nach der Implantation auf ein Laufband während der normalen
Bewegung ausübten. Ergebnis war, dass es keinen Unterschied zwischen goldbead
implants und nicht behandelten Hunden gibt. Methodisch sind an
dieser Studie einige Bemerkungen zu machen, weil
erstens
der Implanteur - so weit ich weiß - kein ausgebildeter Akupunkteur war,
zweitens
diese Studie nur an 10 Hunden durchgeführt wurde und
drittens-
es natürlich nichts über die Abnahme von Schmerzen oder Zunahme von
Beweglichkeit aussagt.
Eine
zweite Studie wurde von der Finnin Anna Hjelm-Björkmann auf
demWeltkongress für Tierakupunktur 2000 in Wien vorgestellt. Ich hatte
seinerzeit die große Ehre, zu diesem Thema Versammlungs- und
Diskussionsleiter zu sein. Ich will das Ergebnis kurz zusammenfassen: es
gibt keinen Unterschied zwischen GA und nicht-GA. Aber auch hier wurden
von den Kollegen aus aller Welt Anna große methodische Fehler
vorgeworfen: die Studie bezieht sich lediglich auf 34 Hunde, die Punkte
wurden mit dem Punktsuchgerät ausgewählt und auch nur die Punkte
behandelt, welche reagierten und drittens implantierte Anna nur 1 Stück
Gold, anstatt wie Terry Durkes es vorschlug 3 Stückchen pro Punkt. Anlässlich
dieser Versammlung wurde natürlich auch die richtige methodische
Vorgehensweise diskutiert. Ein Ergebnis war, dass man nicht unbedingt
Doppelblind-Studien durchführen muss, um "wissenschaftlich"
zu sein. Was meinen GA-Kollegen und ich tagtäglich machen ist ja schon
eine sog. "kontrollierte follow-up-Studie", weil fast
ausnahmslos alle Patienten irgendwie vorbehandelt sind und der
Unterschied zu dem Zustand nach der Goldakupunktur auch für jeden Außenstehenden
deutlich zu erkennen ist.
11.
Wie kann man auf einem zweidimensionalem Röntgenbild erkennen, ob die
Akupunkturpunkte getroffen sind?
Ich
beurteile natürlich nicht nur an Hand des - zweidimensionalen -Röntgenbildes
den korrekten Sitz des Goldes, zuvor habe ich den Hund doch sorgfältig
abgetastet, die Kanülen "möglichst gefühlvoll" in die Tiefe
geschoben, bei dieser Tätigkeit das Bein im Hüftgelenk ein wenig
bewegt usw. Vielleicht bräuchte ich wirklich nicht mehr röntgen, denn
seit über 5 Jahren habe ich mich nicht mehr korrigieren müssen. Ich
mache es dennoch, zum einen für die Besitzer, damit sie sehen, wo das
Gold exakt platziert ist und zum anderen für mich: ich will einfach
100%ig sicher sein, technisch alles richtig gemacht zu haben.
12.
Welche Größe haben die Akupunkturpunkte und wie werden sie gefunden?
Der
Akupunkturpunkt ist auch kein Punkt, sondern - je nach Lage ein räumliches
Gebilde, welches von einem Hautareal (manchmal bis zu 5 mm im
Durchmesser) in die Tiefe reicht. In der Tat erfordert es meiner Meinung
nach einfach Übung (z.B. durch die Ausbildung zum
"Fachtierarzt" für Akupunktur, um die exakte Lage der Punkte
zu ertasten. Bei der Nadelakupunktur ist der Patient ja nicht sediert
und es gibt einige Methoden, den richtigen Punkt zu finden, z.B. die
"very-point-Methode" nach Gleditsch. Es gibt zwar auch einige
Lehrbücher der Tierakupunktur mit entsprechenden Punktetafeln, aber
diese beschreiben meiner Meinung nach nicht die exakte Lage der Punkte,
sondern eher die Region, in welcher man suchen / tasten muss.