3.
September 2000 – Liebe auf den ersten Blick
Wir
sind heute zum Tag der offenen Tür ins Tierheim Helenenhof nach Köln-Hürth
gefahren. Es ist ein nettes, kleineres Tierheim, recht sauber mit neu
angelegten Auslauf-Gehegen.
Christian
hat sich spontan in Rex verliebt: Schäferhund, 9 ½ Jahre alt und aus
sehr schlechter Haltung. Von mehreren Tierheim-Mitarbeitern erfahren
wir, dass Rex die ersten 8 Jahre seines Hundelebens mit in einer Waschküche
zugebracht hat, die er wohl auch fast nie verlassen durfte. Die Familie
kam mit dem Hund nicht zurecht, zudem waren noch zwei kleinere Hunde da,
die in der Familie lebten. Rex ist – wer will ihm das verdenken –
ein eher schwieriger Hund, der auch schon gebissen hat. Seit etwa einem
Jahr lebt er jetzt im Tierheim.
Ausgerechnet
Christian, der sonst bei der Hundefrage so zurückhaltend ist, machte
gleich für den nächsten Sonntag einen Termin im Tierheim aus, um Rex näher
kennenzulernen! Ich bin mir nicht so sicher, ob wir mit Rex nicht
vielleicht mehr Probleme ins Haus holen, als wir bewältigen können...
9.
September 2000 - Vorfreude
Haben
heute den ganzen Nachmittag Zaun gezogen und sind immer noch nicht
fertig! Und das alles für einen Hund, den wir noch nicht einmal
haben...
Habe
mich die ganze Woche intensiv mit der „Rex-Frage“ auseinander
gesetzt und bin mittlerweile der Meinung, dass wir das ganz gut schaffen
können. Zwar ist unser Wissen über Hunde – und gerade über
schwierige Hunde – bisher nur rein theoretisch, aber ich glaube, wir
haben beide genug Geduld, Ruhe und Hundeverstand, dass wir das alles in
den Griff bekommen können.
Wir
freuen uns beide auf den Spaziergang mit Rex morgen!
10.
September 2000 – Erstes Kennenlernen
Rex
ist ein toller Hund! Sind heute das erste Mal mit ihm draußen gewesen
– erst mit Mitarbeitern, die den Hund gut kennen, dann auch allein –
und sind sehr begeistert.
Als
wir im Tierheim ankamen, lag Rex in der gewohnten, gleichgültigen
Manier im Zwinger und blickte uns gelassen an. Als dann die Mitarbeiter
auftauchten, kam plötzlich Leben in den Hund. Kaum hatte er „seine“
Spaziergänger entdeckt, rannte er fröhlich wedelnd zum Gitter und
konnte es kaum abwarten, endlich loszugehen. Zunächst hat Rex von uns
überhaupt keine Notiz genommen (wieso sollte er auch, er kennt uns ja
nicht...), wichtig war für ihn nur der Spaziergang. Einige Leckerchen
später (er ist sehr (!) bestechlich...) galten seine Blicke dann auch
schon uns („Kommt da noch ein Leckerchen her?“) und bald lief er
ganz lieb auch mit mir am anderen Ende der Leine. Angeblich hat er
Probleme mit anderen Rüden (wir sind keinem begegnet...), aber wenn man
ihn kurz nimmt, ist er wohl gut zu halten.
Beim
Spazierengehen merkt man, dass er doch schon ein alter Herr ist, er wird
schnell müde und nach einer ¾ Stunde hatte er auch sichtlich genug von
der Lauferei. Er hat schon große Probleme mit seinen Hüftgelenken aber
wir hoffen, dass es mit einem anderen Zusatzfutter doch noch um einiges
besser wird.
Nach
dem Spaziergang haben wir im Auslauf noch ausgiebig mit Rex gespielt. Er
ist für sein Alter sehr verspielt und eine richtige Schmusebacke! Er
scheint keine Scheu vor uns zu haben und hatte sichtlich Spaß am Stöckchen
holen und am Rangeln!
Kleine
Panne: Rex sprang fröhlich in ein etwa knietiefes Loch im Auslauf und
kam dank seiner HD prompt nicht mehr heraus! In einer
Gemeinschaftsaktion (ich vorne mit Leckerchen locken, Christian hinten
schieben) haben wir ihn aus seiner misslichen Lage befreit!
Im
Gespräch mit einem Mitarbeiter habe ich auch noch mehr über seine
„Beißattacke“ erfahren: er war ganz neu im Tierheim, hatte vor
allem und jedem Angst und ziemliche Schmerzen dank einer chronischen
Ohrenentzündung (ist mittlerweile operiert und völlig ausgeheilt). Als
dann gleich zwei Mitarbeiter in seinen engen Zwinger kamen, war er wohl
völlig überfordert und hat ordentlich zugebissen.
Er
wird in Situationen, die neu für ihn sind, einfach viel Zeit und Rückzugsraum
brauchen! Daran müssen wir denken, wenn er zu uns kommt!
Wir
haben uns richtig in den alten Herrn verliebt und wollen ihn sobald es
geht mitnehmen! Bis dahin werden wir ihn jeden Sonntag besuchen (leider
sind es 120 Entfernungskilometer, daher geht es nicht öfter).
11.
September 2000 - Kaufrausch
Bin
heute in einen echten Kaufrausch verfallen: bei real gab`s günstig
Hundedecken – habe gleich 4 (!!!) davon gekauft. Und wo ich schon mal
da war, fanden auch noch diverse Leckerli den Weg in den Einkaufskorb.
Wenn das so weiter geht, haben wir gar keinen Platz mehr für einen
Hund, wenn es endlich so weit ist (Leine und Halsband haben wir auch
schon – wir können`s einfach nicht mehr abwarten...).
Habe
im Forum bei Hunde.com mal nachgefragt, was man bei HD tun kann
und viele gute Tipps bekommen.
16.
September 2000 – Zaunpause dank Regen
Leider
ist Teil zwei der Zaun-Aktion wegen Regen buchstäblich ins Wasser
gefallen, was gar nicht so schlecht war, weil Bernd (NetterNachbarmitAhnungvonfastallem)
so, statt mit uns den Zaun zu ziehen, zum ersten Handballspiel seiner
Tochter gehen konnte. Zwar drängt die Zeit etwas aber wir werden den
Zaun schon noch rechtzeitig fertig
bekommen, bevor Rexi zu uns kommt.
Statt
dessen standen wir Ewigkeiten im „Fressnapf“, um ein geeignetes
Spielzeug für Rex auszusuchen. Nach langem Hin und Her (Nein, er
bekommt auf gar keinen Fall ein rosa Quietschekrokodil und auch die
diversen Kitschfiguren mit Haltekordel fallen weg...) haben wir in einer
Kiste (gaaanz unten) einen prima Kordelknoten für Zerrspiele entdeckt
und erstanden!
17.
September 2000 – Endlich „Besuchstag“
Relativ
früh aufgestanden, schnell gefrühstückt und nichts wie los zu Rex!
Ich freue mich schon immer die ganze Woche auf den „Besuchstag“. Als
ich beim Frühstück erwähne, dass es für mich das Highlight der Woche
ist, lacht mich Christian nur aus und lästert ganz fürchterlich.
Allerdings hatte er, noch bevor wir was zu frühstücken bekamen,
bereits die Leckerli-Tüten für Rex gepackt...
Als
wir ankamen, stand Rex erwartungsvoll an der Zwingertür und konnte den
Spaziergang kaum abwarten. Der Mitarbeiter kam nur die ersten Meter mit,
dann sind wir mit Rex alleine los. Rex stört das überhaupt nicht: die
erste Viertelstunde ist es ihm sowieso egal, wer am anderen Ende der
Leine hängt – Hauptsache raus! – und ansonsten hat er sich, glaube
ich, sogar schon ganz gut an uns gewöhnt.
Wieder
zurück gab`s im Auslaufgehege noch eine ausführliche Spiel- und
Streicheleinheit. Rex spielt recht gerne mit dem neu erworbenen
Spielzeug aber allzu lange ist er dann auch nicht mehr zu motivieren.
Immerhin waren wir nun so lange da, dass sich der Hund sichtlich
entspannte und es wagte, auch einfach einmal eine Weile liegen zu
bleiben und sich kraulen zu lassen. Letzte Woche war er dazu noch viel
zu hektisch und sprang ständig auf, immer in der Sorge, man geht schon
wieder und er muss in den Zwinger zurück.
Ansonsten
war er verfressen wie eh und je und ständig auf ein Leckerchen gefasst
(was er auch prompt bekommen hat). Wenn er erst einmal bei uns ist und
begriffen hat, dass er hier zu Hause ist, müssen wir die Leckerchen
etwas einschränken! Er sollte auch dringend etwas abspecken. Als er im
Tierheim ankam, war er wohl nur Haut und Knochen und musste aufgepäppelt
werden. Das ist so gut gelungen, dass er mittlerweile ein paar Kilo zu
viel auf den Rippen (und vor allem auf den HD-geplagten Hüften) hat.
Immerhin
sind wir nach diesem Besuch zumindest beruhigt, was das Autofahren
angeht. Als wir vom Spaziergang kamen, wollte ich sein Spielzeug aus dem
Auto holen. Sobald die Heckklappe nur ein paar Zentimeter aufging, hatte
Rex schon die Nase drin und ehe wir richtig wussten, was los war, war
schon der halbe Hund freudig wedelnd und sichtlich begeistert im Auto
verschwunden. Nur sein Hinterteil kriegt er selbst nicht mehr so weit
hoch... Wir können also davon ausgehen, dass er gerne Auto fährt (gut,
ich hatte mir schon ernsthaft Gedanken gemacht, wie man einen Hund
dieser Größe verlädt, wenn er nicht will...).
23.
September 2000 – Endlich Fortschritte beim Hundezaun
Dank
einer am Freitag Nachmittag spontan gestarteten Zaunaktion aufgrund des
plötzlich doch schönen Wetters und Bernds und Sandras tatkräftiger
Hilfe, sind wir mit dem Zaun nun doch endlich ein großes Stück weiter
gekommen. So haben wir es am Freitag trotz einiger Schwierigkeiten tatsächlich
geschafft, beide langen Zaunstücke auf voller Länge zu ziehen. Es war
eine ziemlich anstrengende Turnerei um verschiedene Bäume herum, die
mitten im Weg stehen und auf eine relativ weite Strecke mussten wir den
Zaum etwa 15 cm tief eingraben (ausgerechnet rund um die
Heckenrose...!), da die Pfähle mittlerweile schon ein ganzes Stück im
Boden „verschwunden“ sind (dort, wo Beete aufgefüllt wurden). Am
Samstag haben Christian und ich noch eine ganze Weile daran gearbeitet,
den Draht oben, unten und in der Mitte am Spanndraht zu befestigen, sind
aber noch nicht allzu weit. Immerhin haben wir noch einen Großteil der
vorletzten Hecke pflanzen können. So langsam wird der Garten
„Rex-tauglich“!
24.
September 2000 – Ein unfreiwillig langer Besuch!
Wie
mittlerweile jeden Sonntag sind wir (ausgerechnet wir passionierten
Langschläfer) früh aufgestanden, um auch ja pünktlich bei Rex zu
sein. Hat trotz Sperrung einer Autobahn und sehr dichtem Verkehr auch
ganz gut geklappt. Angekommen schnell in die anderen Schuhe,
Kameratasche schultern und los zu Rex. Rex hat uns tatsächlich
wiedererkannt und kam freudig wedelnd ans Gitter und ließ sich kraulen
und streicheln!!! Als er uns dann auch noch mit einer Leine in der Hand
sah, war die Freude natürlich riesig!
Das
wärmere Wetter tat Rex sichtlich gut: er lief viel besser, bewegte die
Hinterbeine nicht so steif und war deutlich fitter als bei unserem
letzten Besuch. Wir sind dann mit ihm eine große Runde gegangen, haben
auf dem Spaziergang noch ein paar Leckerli-Suchaktionen eingebaut (er
liebt dieses Spiel sehr, ist dann aber so aufgeregt, dass er vor lauter
Rumhampeln nicht mehr richtig aufpasst und das Leckerchen meistens auch
nicht alleine findet...) und haben auf dem Rückweg sogar noch eine
kleine Zusatzrunde eingebaut – unser Rex war munter und ausdauernd wie
selten und schien überhaupt nicht müde zu werden. Wir waren fast 1 ½
Stunden unterwegs – eine ganz ordentliche Leistung für unseren
„alten Herrn“! Sicherlich wird sich mit der Zeit, wenn er regelmäßiger
raus kommt, seine Kondition auch noch deutlich bessern. Auf der großen
Wiese – die liebt er sehr, weil es da immer so viel zu schnüffeln und
zu untersuchen gibt – hat Rex dann ein „Stöckchen“ entdeckt und hätte
es am liebsten durch die Gegend getragen. Leider war sein „Stöckchen“
ein kleiner Baumstamm und er konnte ihn nicht einmal hochheben...
Anschließend
haben wir noch mal so lange mit ihm im Auslauf gesessen und gespielt und
Streicheleinheiten verteilt. Das rief bei der Hundemeute, die im daneben
gelegenen Auslauf war, einige Eifersüchteleien hervor und führte 2-3
Mal zu kleineren „Giftereien“ durch das Gitter – eine
Herausforderung, die Rex natürlich nicht auf sich sitzen lassen kann!
Er war aber durch quietschen mit dem Quietscheigel leicht von den
Radaubrüdern abzulenken und so kehrte bald wieder Ruhe ein. Der
Quietscheigel ist eine Neuerwerbung – eine Kapitulation vor dem
Kitsch: er ist leuchtend gelb, hat ein hässliches, lächelndes Gesicht
und quietscht in den hellsten Tönen, wenn man ihn drückt. Also genau
die Art von Spielzeug, die unser Hund, da waren wir uns einig, nie
bekommen würde. Rex hat uns mittlerweile überzeugt: er liebt den Igel
und das Quietschen und ich fürchte, er wird im Laufe seines Hundelebens
noch einiges von dieser Art Spielzeug bekommen...!
Nach
drei Stunden ausgiebigem spazieren gehen, toben, spielen und schmusen
mit Rex waren sowohl wir als auch der Hund müde und K.O. und wir
wollten dann eigentlich den Heimweg antreten – eigentlich!!! Auf dem
Weg zum Auto merkte ich, dass ich meinen Autoschlüssel nicht finden
konnte!!! Ein schöner Schreck! Hoffentlich nicht irgendwo auf dem
Spaziergang verloren... Nein, so war’s dann doch nicht: vor lauter
Eile und Vorfreude auf Rex hatte ich den Schlüssel nach dem
Schuhwechsel mit ins Auto geworfen, Heckklappe zu und da lag er dann...!
Beim ADAC angerufen, wer weiß, vielleicht können die einem ja auch bei
so einer Panne helfen. Eine sehr freundliche Dame beruhigte mich, ja,
ja, bisher hätten ihre Fahrer noch jedes Auto aufbekommen, nur könne
es gut eine Stunde dauern, bis ein Fahrer da sei. Na gut! Es dauerte
dann allerdings fast anderthalb Stunden. Wer sich richtig freute war
unser Rex, der für die ganze Zeit Gesellschaft in seinem Zwinger bekam
und von Christian ausgiebig gekrault und verwöhnt wurde (so hat eben
alles auch seine guten Seiten, es kommt nur auf den richtigen Standpunkt
an...) Das Aufmachen des Autos dauerte dann auch noch einmal eine gute
halbe Stunde (mir schwante schon nichts Gutes, als der Pannenhelfer
weidwund aufstöhnte „Oh je, ein Astra, die gehen schwer auf...“)
und ging leider auch nicht ohne Schaden am Auto ab. Nun habe ich zwar
wieder ein funktionstüchtiges Auto, oder besser gesagt, ich kann
dasselbe benutzen aber ich nenne auch ein paar neue und tiefe Kratzer im
Lack mein Eigen.
30.
September 2000 – Und wieder mal ein Besuch im Fressnapf...
Es
scheint, als könnte kein Samstag vergehen, ohne das wir ein halbes
Monatsgehalt im Fressnapf lassen. Die Ausbeute dieser Woche: eine
doppelseitig benutzbare Hundebürste für kurz- oder stockhaarige Hunde,
ein Massagestriegel (nur schlappe 9 DM für ein lappriges Gummiteil made
in China – als Hundezubehörhersteller kann man offensichtlich gut
verdienen...), zwei Metallnäpfe für mittelgroße bis große Hunde und
ein spezielles Hundehandtuch, das unseren pfützenliebenden
Schlammteufel vor Betreten der Wohnung wieder in einen Schäferhund
normaler Färbung verwandeln soll.
Des
weiteren verbrachten wir eine gute ¾ Stunde versunken in die
Inhaltsbeschreibungen einer unglaublichen Menge an Hundenahrung der
verschiedensten Firmen, auf der Suche nach einem preiswerten Futter mit
der dennoch optimalen Zusammensetzung und den richtigen Prozentzahlen
bezüglich Eiweiß, Fett und ähnlichem. Schon nach 20 Minuten wurde uns
klar, dass preiswert ein sehr relativer Begriff ist, wenn man versucht,
seinen Hund sinnvoll und gesund zu ernähren. Wir sind schließlich bei
Eucanuba senior hängen geblieben, welches mir auch schon von vielen
Hundebesitzern wärmstens empfohlen wurde – nur schlappe 90 DM kostet
ein 15 Kilo Beutel. Dieser Hund wird besser ernährt sein als wir!!!
Nach
dieser Einkaufsaktion waren wir so erledigt, dass wir jeden Gedanken an
weitere Arbeiten am Zaun weit von uns wiesen...
01.
Oktober 2000 – Regen!!!
Im
strömenden Regen nach Köln losgefahren, in strömenden Regen
angekommen, mit den Tierheim-Mitarbeitern Kaffee getrunken, in strömenden
Regen spazieren gegangen, bei Nieselregen im völlig überschwemmten
Auslauf mit Rex gespielt...
...
und ausgesehen wie die Erdschweine!
Rex
störte das Wetter überhaupt nicht – er war gut drauf wie eh und je!
Seine gute Laune hat uns angesteckt und so hatten wir trotz des blöden
Wetters einen sehr schönen Sonntagsausflug!
Die
neu erworbene Bürste ist bei Rex auf keine besondere Begeisterung gestoßen,
aber immerhin hat er sich widerwillig bürsten lassen. Nötig war’s!
03.
Oktober 2000 – Neue Gefilde
Wir
haben kurz entschlossen den Feiertag mit Rex verbracht (so langsam wird
die Fahrerei ein echter Kostenfaktor mit immerhin fast 40.- DM pro
Besuch!). Das Wetter war ganz passabel, zwischendurch kam sogar die
Sonne raus. Rex war bester Laune und schien auch überhaupt keine
Beschwerden zu haben, also haben wir beschlossen, unsere Spaziergänge
einmal über das bekannte Revier auszuweiten und uns über die Straße
und die Schienen zu wagen. Hinter besagten Eisenbahnschienen tut sich
ein weiteres riesiges Gebiet mit Waldwegen und Wiesen auf, wo man
herrlich kilometerweit laufen kann. Rex schien noch nie in diesem neuen
Gebiet gewesen zu sein und es war recht interessant, ihn zu beobachten.
Unser Rexi, der sonst nur Augen für die Landschaft hat und immer so
weit voraus und zurückläuft, wie es die Leine gerade noch zu läßt,
blieb auf einmal sehr in unserer Nähe und suchte ständig Blickkontakt
zu uns! Bald siegte jedoch die Neugierde und er untersuchte alles ganz
genau!
05. Oktober 2000 – Langer Spaziergang
Da
ich Ferien und damit viel freie Zeit habe, bin ich heute alleine zu Rex
gefahren, während Christian arbeiten musste. Unter der Woche herrscht
ein fürchterlicher Verkehr auf den Autobahnen und ich kam recht spät
und reichlich genervt in Hürth an. Rex wurde unterwegs von einem
freilaufenden Terriermix angegiftet. Der Hund kam kläffend auf uns zu,
Frauchen etwa 100 Meter weiter hinten. Die Frau versuchte zwar auf meine
Aufforderung hin, ihren Kläffer einzufangen, der hörte aber überhaupt
nicht und dachte gar nicht daran, Rex in Frieden zu lassen. Rex blieb so
lange zwar interessiert aber einigermaßen ruhig, bis der Hund auf ca.
1,5 Meter heran war und immer noch keine Anstalten machte, zu bremsen.
Der fremde Hund rannte kläffend um uns herum, während ich versuchte
Rex, den ich am Halsband gepackt und so hochgezerrt hatte, dass seine
Vorderbeine bereits in der Luft hingen, am Zurückgiften und Toben zu
hindern. Rex machte einen Aufstand, als wolle er den Terrier fressen und
ich bin nicht sicher, ob er nicht genau das getan hätte, hätte ich ihn
losgelassen... Zum Glück trollte sich der Kläffer angesichts Rex
drohenden Knurrens und Bellens und augenblicklich kehrte Ruhe ein. Die
Hundebesitzerin, der es immer noch nicht gelungen war, ihren Hund wieder
einzufangen, meckerte noch über Rex schlechte Erziehung, während sie
laut rufend hinter ihrem ach so wohl erzogenen Hund her rannte. Auf den
Gedanken, dass ihrer angefangen hatte und dass das Verhalten ihres
Hundes auch nicht unter gut erzogen fällt, kam sie wohl gar nicht erst!
Alle weiteren Rüdenbegegnungen verliefen friedlich. Rex zeigte sich
zwar interessiert, gab aber keinen Ton von sich und ging brav bei Fuß,
die anderen zogen auf der anderen Wegseite vorbei, ohne allzu nahe zu
kommen oder zu knurren. Na also, geht doch!
08.
Oktober 2000 – Schöner Spaziergang
Habe
alleine, da Christian in Holland zum Segeln ist, Rex besucht und bei
einigermaßen trockenem Wetter einen langen Spaziergang mit unserem
„Dicken“ unternommen. Rex wird so langsam tatsächlich richtig dick
und muss dringend abspecken – es wird Zeit, dass er nach Hause kommt!
13.
Oktober 2000 – Noch mehr schöne Dinge für Rex
Nachdem
es mir nach meiner Zahn-OP einigermaßen gut ging sind wir noch zu einer
kleinen Shoppingtour für Rex aufgebrochen. Diesmalige Beute: eine lange
Flexileine (8m) und zwei muckelige Wolldecken von Ikea für seinen (noch
zu erstehenden) Korb. Letzte Woche habe ich bereits einen Großeinkauf
in einem Futtermittelgeschäft in Menden gemacht, das wegen Geschäftsaufgabe
alles reduziert hatte: 2 große und 5 mittelgroße Kauknochen, ein Halti
(um 10 DM heruntergesetzt!), ein schwerer Gummiball zum Apportieren
(auch wenn Rex immer noch nicht einsehen will, dass er die Sachen, die
er bringt, auch wieder hergeben muss... naja, irgendwann wird er’s
schon begreifen!) und ein kleiner Beutel Leckerli. Ach ja, und beim Schlüsseldienst
habe ich noch eine schöne Plakette mit seinem Namen und unser beider
Handy-Nummern gravieren lassen, damit man uns auch sofort erreicht,
sollte Rexi mal verloren gehen (und sollte er dann irgend jemanden nahe
genug an sich heranlassen, dass dieser jemand die Nummer auch lesen
kann...)!
Es
wird wirklich Zeit, dass der Hund nach Hause kommt – schon damit diese
„Übersprungshandlungen“ meinerseits endlich aufhören!
14.
Oktober 2000 – Besuchstag
Rexi
erkennt mittlerweile mein Auto und steht schon erwartungsvoll am Gitter
wenn wir aussteigen! Schöner und sehr langer Spaziergang (fast 3
Stunden, natürlich inclusive langer Pausen) bei herrlichem Wetter! Rex
durfte im flachen Wasser am Rand eines Sees etwas planschen, was er auch
mit Begeisterung gemacht hat. Er wollte immer ins tiefe Wasser, aber da
es ab dort recht steil abwärts ging, waren wir nicht sicher, ob er
wieder raus kommt... Mehrere Rüden-begegnungen mit Imponiergehabe aber
ohne (!!!) Knurren oder Bellen – so langsam kapiert er’s, glaub’
ich!
Noch
eine Stunde spielen im Auslauf, dann mussten wir auch so langsam schon
wieder los. Hoffentlich können wir ihn bald mitnehmen!!!
22.
Oktober 2000 – Ein unfreiwilliges Bad und schlechte Manieren
Bei
schönem Wetter waren wir wieder lange im Wald und Park spazieren. Auf
dem Rückweg durfte Rex dank des schönen Wetters auch wieder etwas am
flachen Rand des Sees planschen. Diesmal hat er es trotz unseres
Aufpassens allerdings geschafft, über die Kante ins tiefe Wasser zu
rutschen! Christian hat ihn mit einem kräftigen Ruck mit der Leine
wieder ans sichere Ufer bringen können. Rex störte das alles nicht so
sehr – tropfnass aber guter Dinge marschierte er weiter, den Blick
immer sehnsüchtig auf den See gerichtet...
Leider
zeigte er bei zwei Gelegenheiten (zuerst auf dem Spaziergang, dann am
Auslauf) seine manchmal doch sehr schlechten Manieren und knurrte ohne
Grund und aus heiterem Himmel zwei kleine Kinder an!!! Ich vermute, dass
er mit Kindern einmal sehr schlechte Erfahrungen gemacht hat. Aber
welche Gründe er auch immer haben mag, wir müssen ständig gut auf ihn
aufpassen!
29.
Oktober 2000 – Soooooo ein braver Hund!
Man
könnte fast meinen, Rex hätte den Tagebucheintrag vom letzten Sonntag
gelesen und sich nun vorgenommen, den schlechten Eindruck von letzter
Woche heute wieder wett zu machen. Wir hatten heute einen ganz braven
Hund, der gut hörte und nicht einmal geknurrt oder gegrummelt hat!
Die
Mitarbeiter wollen uns noch eine Liste zusammenstellen, mit allem drauf,
was wir bei Rexis Gesundheit so beachten müssen (Ohrenkontrolle und
–pflege des operierten Ohrs, Zusatzfutter für die HD, aufpassen auf
neue Aussackungen des Darms (???), beobachten der Verdickung an der
Schwanzwurzel, ... – ja, ja, man bekommt im Alter so seine
Zipperlein!)
01.
November 2000 – Feiertag = Rextag
Natürlich
haben wir den Feiertag mit unserer Schmusebacke verbracht! Manchmal
erscheint es selbst uns etwas unheimlich, wie dieser Hund es geschafft
hat, gerade uns, denen das Ausschlafen immer so wichtig war, zu
ausgesprochenen Frühaufstehern zu erziehen – sogar am Feiertag!!! Das
Wetter hielt sich zum Glück auch so leidlich. Zumindest hat es nicht
geregnet und ab und zu kam sogar die Sonne etwas raus.
Rex
hat sich riesig gefreut, uns zu sehen und hat uns in seiner Begeisterung
auch gleich beide komplett mit der Leine eingewickelt. Während wir noch
versuchten, das Getüddel wieder zu entwirren, sprang Rex immer noch völlig
aufgeregt und voller Freude um uns herum, so dass unsere Befreiung etwas
gedauert hat. Wir müssen einen recht netten Anblick geboten haben...
Nach
dem ausgiebigen Spaziergang und einer langen Schmuse- und Spieleinheit
(zuerst wegen des unsicheren Wetters im Zwinger, dann aber doch noch im
einigermaßen trockenen Auslauf) ließ Rex auch noch eine gründliche Säuberungsaktion
mit der Bürste über sich ergehen – wahrscheinlich war er nach der
ganzen Anstrengung einfach zu müde, um sich noch groß zu sträuben.
05.
November 2000 – Immer wieder sonntags...
Schöner
Spaziergang bei herrlichem Herbstwetter! Wir sind heute das erste Mal am
Weiher bis zur Brücke gegangen und dann auf der anderen Seite zurück.
Christian hat sich an einem Eiswagen ein Eis gekauft und konnte es, oh
Wunder, unbehelligt aufessen – Rex interessierte sich nicht sonderlich
dafür. Zur Belohnung bekam er noch ein paar Leckerchen versteckt, die
er auch mit Begeisterung gesucht hat.
Anschließend,
wie immer, noch lange spielen, schmusen und bürsten. Wir waren fast 5
Stunden da, trotzdem blickte uns Rex mit traurigen Augen nach, als wir
gefahren sind. Ich bringe es immer kaum übers Herz, ihn zurück zu
lassen...
12.
November 2000 – Christian in Milano, ich in Hürth!
Christian
ist, einer spontanen Idee folgend, auf Olivers Flugticket und mit dessen
Personalausweis nach Mailand geflogen. Oli konnte oder wollte nicht
fliegen und das Ticket konnte, da Superspartarif, nicht umgebucht
werden. Bin ja mal gespannt, ob alles klappt oder ob er wegen Identitätsbetrugs
in irgendeinem italienischen Gefängnis landet.
Rex
war ausgesprochen schlechter Laune und hörte so gut wie überhaupt
nicht. Petra meint, es könne daran liegen, dass eine der Hündinnen läufig
wird und er darauf reagiert. Der Spaziergang war dementsprechend
anstrengend und nervig. Am Weiher war es dann um seine (mehr oder
weniger) gute Erziehung ganz geschehen: er stürmte los und zog so
vehement Richtung Wasser, dass ich auf der regennassen, glitschigen und
abschüssigen Wiese das Gleichgewicht verloren habe und auf dem Hintern
gelandet bin. Ich war so sauer, dass ich Rex, zur weiteren Belustigung
der in Scharen vorhandenen Zuschauer, mit einer ärgerlichen und lauten
Schimpftirade überschüttet habe. Er war völlig verdutzt und kam auch
sofort angesaust und schlich mit eingezogenem Kopf um mich herum. Das
Ganze hatte ihn immerhin so beeindruckt, dass er den Rest des
Spaziergangs nicht ein einziges Mal mehr auch nur den Versuch machte, an
der Leine zu ziehen.
Zurück
am Tierheim musste er noch eine gründliche Bürstaktion über sich
ergehen lassen (er sah aus wie ein Erdschwein!). Das passte unserem
Dicken überhaupt nicht. So gerne er sich bürsten lässt, wenn es ihm
gerade in den Kram und in sein Kraulbedürfnis passt, so vehement
versucht er sich zu wehren, wenn dem nicht so ist. Nachdem er merkte,
dass ich nicht bereit war, ihn mit der Bürste in Ruhe zu lassen, fügte
er sich laut jammernd in sein Schicksal. Durch sein steinerweichendes
Gejaule hatten wir auch schon nach kürzester Zeit eine stattliche
Anzahl feixender Zuschauer, die sich das Schauspiel natürlich nicht
entgehen lassen wollten...
16.
November 2000 – Rex bekommt Post aus Mailand
Heute
ist tatsächlich eine Postkarte für Rex eingetrudelt...! Sind alle
Hundebesitzer so verrückt???