...oder:
Himmel, ist dieser Hund manchmal dusslig!
Manchmal frage ich mich ernsthaft, wenn ich meinen Hund so betrachte, ob
diese Tiere wirklich vom Wolf abstammen und wie sie je in freier
Wildbahn überleben konnten... Ich weiß nicht, ob mein Ungetüm der
einzige Dussel unter den Hunden ist, oder ob Erlebnisse, wie wir sie
hier haben, von anderen Hundebesitzern verschwiegen werden aber ich muss
es bekennen: mein Hund ist (manchmal ?) ein Schaf, zumindest was seine
kognitiven Fähigkeiten angeht!
Sicher, er hat lange in der Waschküche gelebt und vieles nicht gelernt
und ich stehe mit erhobenem Haupt vor staunenden und leise in sich
hinein grinsenden Passanten, wenn mein Hund wieder einmal beim Beinchen
heben auf seine Vorderpfoten püschert. Jedem das seine! Vorlauten
Spaziergängern, die mich oder andere Passanten laut auf diese
vermeintliche Panne aufmerksam machen, halte ich mittlerweile geübt
einen Vortrag über die fell- und hautpflegende Wirkung von gewissen Körperfüssigkeiten
und verweise auf einschlägige Literatur. Mein Hund ist
gesundheitsbewusst...
Eines Tages, morgens - alle waren in Eile - rollt dem Dicken der
Tennisball unter die Heizung. Er stürmt hinterher und rumpelt mit einem
lauten "Doing" vor den Heizkörper. Er versucht es gleich noch
einmal, mit ungefähr der selben Wirkung. Das "Doing" ist
etwas leiser - schließlich hat er aus der Erfahrung gelernt, dass ein
lautes "Doing" auch einen schmerzenden Kopf verspricht - mehr
Erfolg hat er damit aber auch nicht. Nach einem dritten Versuch dieser
Art hat mein schlauer Hund schon kapiert, dass es so wohl nicht geht!
Er verlegt sich auf's Jammern und das kann er richtig gut...
Ich bin nicht bereit, alles aus der Hand zu legen und dem Tier zu Hilfe
zu eilen - soll er doch seine Pfoten benutzen oder den Kopf schräg
legen, schließlich ist die Heizung nur 20 cm tief!!! Rex sieht das aber
nicht ein und jammert lauter. Na, dann wollen wir doch mal sehen, wer länger
kann...
Nach etwa einer Minute gibt der Dicke auf! Er legt sich vor
die Heizung und schaut mich vorwurfsvoll an! Auch das kann er gut! Ich
bin wild entschlossen, nicht aufzugeben. Ich bin schließlich nicht der
persönliche Ballholer meines Hundes. Da wir beide sehr stur sein können,
verlasse ich das Haus und Rex bleibt vor der Heizung liegen.
Als ich 5 Stunden später von der Arbeit nach Hause komme, liegt mein
Hund immer noch in fast derselben Haltung vor der Heizung - er ist drüber
eingeschlafen!
Nachdem er mich begrüßt hat, kehrt er zur Heizung zurück und nimmt
sein Gejammer von morgens wieder auf - suuuuper! Und ich? Ich habe aus
dieser Geschichte etwas gelernt und eile sofort herbei, um dem Herrn
seinen Ball zu reichen...
Allerdings muss ich gestehen, dass es manchmal auch überaus
unterhaltend sein kann, einen Hund von sehr kleinem Verstand zu haben:
da wäre zum Beispiel die Sache mit dem Käse, der aus dem Boden wächst...
Unser Rex ist – dem Herrn sei es gedankt – ein
Hund, der nicht bettelt und somit darf er während wir essen auf seiner
Decke neben dem Tisch liegen. Er bekommt nie (fast nie J)
etwas vom Tisch und begehrliche Blicke lassen sich mit einem einfachen Nein! abstellen.
Natürlich wollen wir dem Hund nicht das Betteln
angewöhnen und natürlich wollen wir ihm trotzdem etwas geben
(Konsequenz war noch nie unsere starke Seite...). So haben wir eines
Tages damit angefangen, ihm Käsestückchen zuzuwerfen – immer dann,
wenn er gerade nicht schaut. Rex liebt Käse über alles und war
entsprechend begeistert.
Allerdings ist sein kleines Hirn mit solchen Vorgängen
völlig überlastet und so war und ist unser Hund der festen Überzeugung,
der Käse wächst aus dem Boden. Er fängt also an, die Fliese, die
gerade eben ein Stück Käse mit einem leisen Plopp aus dem Boden katapultiert hat, zu beobachten... Und so
steht er dann da, unser schlauer Hund, die Nase knapp über der Fliese,
die Ohren gespitzt, den Blick fest auf die „Käseauswurfstelle“
geheftet und wartet auf das nächste Wunder.
Natürlich konnten wir nicht widerstehen und haben
erneut geworfen, nichts ahnend, in welche logistischen Schwierigkeiten
wir unseren armen Hund brachten: nun waren es schon zwei Fliesen, die
strengsten beobachtet werden mussten, dann drei, dann vier... unser Hund
ist hochkonzentriert bei der Arbeit! Bei jedem Frühstück auf’s Neue
versucht er, den gesamten Küchenboden unter Beobachtung zu halten und
ist mehr als erstaunt, dass dieser freche Käse sich immer genau dort
aus dem Boden traut, wo er gerade mal ein paar Sekunden nicht aufgepasst
hat...!
Es ist ein Beispiel klassischer Konditionierung: sobald wir frühstücken
(was zum Glück nur am Wochenende der Fall ist), spitzt Rexi die Ohren
und fängt an, zu überwachen. Und es funktioniert: sobald er die Ohren
spitzt, werfen wir brav den Käse – Pawlow wäre stolz auf uns!
Dazu kommt, dass unser Hund so langsam alt wird und
nicht mehr so gut sieht und hört. Da kann es schon mal passieren, dass
er laut bellend und knurrend zur Türe rennt und dann, wenn sie aufgeht,
erstaunt feststellt, dass der Bösewicht, den er durch die Glastür zu
erkennen glaubte, mittlerweile verschwunden ist – dafür steht dann
sein Herrchen vor der Tür... Konsequenterweise sucht unser Hund dann
aber doch noch mal im Hof nach dem vermissten Übeltäter und schaut uns
verwundert an!
Oder es ist absolut niemand da und er hat sich nur
eingebildet, da wäre jemand gewesen...
Manchmal habe ich das Gefühl, man könne sein kleines Hirn im Kopf
klappern hören, wenn er den Kopf schüttelt und ich frage mich, ob
andere Hunde auch so sind...
...daran glaube ich allerdings nicht: unser Rex ist mit
Sicherheit einmalig und der beste Hund den es gibt! Ich weiß, dass das
alle Hundebesitzer über ihren Hund sagen, aber bei unserem stimmt’s
wirklich!